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Herausforderungen bei der Jobsuche mit 50+ – Interview mit Roswitha Minardi

Autor: Claudia Hümpel, 13.03.2015

Überall hört und liest man vom „Fachkräftemangel“ und zumindest bei der Suche nach erfahrenen Web- und Java-EntwicklerInnen und anderen IT-Fachkräften weiß ich aus leidvoller Erfahrung, dass es tatsächlich mehr Stellenangebote als BewerberInnen gibt.

Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille – nämlich die Menschen, die trotz mehrjähriger Berufserfahrung und sehr guter fachlicher und sozialer Kompetenzen auch nach 50, 100 oder gar 200 Bewerbungen keinen passenden Job finden und für die das Wort „Fachkräftemangel“ wie Hohn in ihren Ohren klingen muss. Häufig sind sie 45+ und damit in einem Alter, in dem für viele Unternehmen eine „Schallgrenze“ überschritten zu sein scheint.

Bei einem Suchauftrag für die Österreich-Tochter eines international tätigen Konzerns habe ich im vergangenen Sommer sehr viele hochqualifizierte und kompetente Damen und Herren kennengelernt. Und einige von ihnen waren in genau so einer Situation und sind es z.T. leider bis zum heutigen Tage noch.

Eine von ihnen ist Roswitha Minardi, 52 Jahre, Marketing-Fachfrau mit Führungserfahrung und seit gut einem Jahr auf der Suche nach ihrem Traumjob. Sie hat mir vor ein paar Tagen Rede und Antwort gestanden und u.a. ihre ganz persönlichen Erfahrungen erzählt.

Roswitha, du bist seit gut einem Jahr auf der Suche nach einer neuen Anstellung. Und das als sehr gut ausgebildete, erfahrene und hochqualifizierte „Marketerin 50+“. Was sind deine wichtigsten Erfahrungen aus den letzten 12 Monaten?

Dass man auch ohne Visitenkarte oder Firmenwagen ein vollwertiger Mensch ist. Und ich habe sehr viel über Selbstmanagement und nicht zuletzt über mich selbst gelernt.

Was war in dieser Zeit dein schlimmstes und welches dein schönstes Erlebnis?

Ein wirklich schlimmes Erlebnis habe ich gottseidank noch nicht gehabt. Bisher wurde ich bei den Interviews immer sehr wertschätzend und freundlich behandelt und bekam gutes Feedback zu meinem Werdegang.
Ein wenig geärgert hat mich lediglich eine von zwei Begründungen, wegen der ich bei einem Unternehmen in der letzten Runde doch noch ausgeschieden bin: der Anfahrtsweg nach Wien. Mein potenzieller Arbeitgeber fand, dass mir das nicht zumutbar sei. Dabei war ich überzeugt, dass ich meinen Standpunkt dazu glaubhaft darstellen konnte.
Als Niederösterreicherin ist man es nämlich gewohnt, dass die Arbeitsstelle nicht im Umkreis von wenigen Kilometern liegt und mir macht eine Anfahrtszeit von einer Stunde wirklich nichts aus. Da hat der Eigentümer seine eigene Aversion gegen lange Fahrten auf mich projiziert. Die zweite Begründung war fachlicher Natur, das konnte ich akzeptieren.

Ein anderes Ärgernis war die Ignoranz eines deutschen Unternehmens, das mich in drei E-Mails kontinuierlich als „Herr Minardi“ angeschrieben hat. Das empfand ich als absolut unprofessionell. Für so eine Firma möchte ich gar nicht arbeiten.

Mein schönstes Erlebnis wäre es, wenn ich endlich die Ziellinie durchlaufen könnte!

Wie gut ist die Betreuung und Unterstützung des AMS bei deiner Suche?

Die Leute beim AMS machen einen sehr guten Job, wenn es um die Verwaltung geht. Unterstützung bei der Arbeitssuche darf man von ihnen nicht erwarten. Hier ist zu 100% Eigeninitiative angesagt. Die BetreuerInnen sind zum Großteil nun einmal keine ausgebildeten Personalvermittler und das darf man von ihnen auch nicht erwarten. Das wurde mir im ersten Gespräch auch deutlich kommuniziert.
Ich fände es gut, wenn in der Öffentlichkeit von der Marketingabteilung des AMS nicht ein anderes Image vermittelt würde, nämlich das der qualifizierten Unterstützung bei der Arbeitssuche. Würde das Selbst- mit dem Fremdbild übereinstimmen – nach innen und nach außen – gäbe es sicher weniger Spannungen zwischen BetreuerInnen, KundInnen und der öffentlichen Meinung.

Welche Kurse und Weiterbildungen wurden dir angeboten? Wie passend waren nach deiner Erfahrung diese Angebote?

Gleich zu Beginn meiner Arbeitssuche habe ich von mir aus eine Liste von Kursen vorgelegt, die ich mir selbständig zusammengesucht hatte. Die Kurse, die unter € 1.000 gelegen waren, wurden mir bewilligt, das waren Content Marketing, Social Media Marketing und ein InDesign Lehrgang. Sehr gerne hätte ich auch noch einen Kurs für Projekt Management besucht, damit ich zu meinen praktischen Erfahrungen auch ein Diplom vorzuweisen habe, aber hier waren die Kurskosten zu hoch.

Ich bekam dann einen hauseigenen Projektmanagement-Lehrgang angeboten, aber der hatte nicht wirklich fachlich mit dem Thema zu tun, sondern das war eher eine kosmetische Maßnahme für die Arbeitslosenstatistiken.

Ich habe dann versucht, in ein Programm für arbeitssuchende AkademikerInnen aufgenommen zu werden, doch diese gibt es nur für das AMS Wien. Die unterschiedlichen Fördermöglichkeiten in den einzelnen Bundesländern finde ich kritisch. Warum werden für gleiche Voraussetzungen verschiedene Maßstäbe angesetzt? Da ist jemand, der weiterkommen und seinen Marktwert steigern möchte, doch geographische Gegebenheiten sind ein Hinderungsgrund. Auch hier bedarf es meiner Meinung nach Änderungen in der Organisation oder der Mittelverteilung.

Ich habe dich als eine sehr positive und selbstbewusste Frau kennengelernt. Diese Haltung hast du auch in unserem Bewerbungsgespräch verkörpert. Wie schaffst du es, dich auch nach dieser langen Zeit dich zu motivieren und diese Haltung beizubehalten?

Danke für das schöne Feedback, Claudia!
Ich sehen keinen Sinn darin, mich hängen zu lassen und mein „Schicksal“ zu beklagen. Das bringt mich nicht weiter und bringt mir vor allem keinen Job. Natürlich wache auch ich manchmal in der Nacht auf und dann kreisen meine Gedanken um meine berufliche Zukunft und um finanzielle Belange. Aber ich lasse mich von diesen schwarzen, nächtlichen Gefühlen nicht vereinnahmen. Bei Tageslicht sieht alles gleich wieder ganz anders aus.

Im Bewerbungsgespräch muss ich mich von meiner besten und positivsten Seite präsentieren. Dafür muss ich meine Energie aufrechterhalten und optimistisch bleiben. Nach einer Absage, vor allem, wenn schon Gespräche stattgefunden haben, gönne ich mir eine kurze Phase der Enttäuschung, aber dann muss ich damit abschließen und positiv gestimmt auf die nächsten Chancen zugehen. Ich bin ganz sicher, dass der richtige Job noch auf mich wartet und wir uns über kurz oder lang finden werden.

Du betreibst seit einigen Monaten den Blog „Jobsuche 50+“, in dem du zum einen von deinen eigenen Erfahrungen berichtest, darüber hinaus aber auch Menschen in gleicher Situation konkrete Tipps und Hilfestellungen anbietest. Wie bist du auf die Idee gekommen einen Blog zu machen und was sind deine weiteren Ideen und Pläne dazu?

Die Idee dazu kam mir, als ich mich immer intensiver mit der Arbeitssuche und der Situation meiner Altersklasse auseinandergesetzt habe. Ich habe im Internet recherchiert und bin auf verschiedene Foren gestoßen, in denen sich Betroffenen ausgetauscht haben. Ein Beitrag hatte mich besonders berührt: da war eine Dame von Mitte Fünfzig, die nach über zwei Jahren und 300 Bewerbungen schließlich ihren Traumjob gefunden hatte. Ihre Beiträge über die Zeit waren so optimistisch und positiv, dass ich den Wunsch hatte, auch anderen Hoffnung zu geben. Es gibt so viele Menschen, die jammern, die Schuld auf andere schieben oder aber verzweifelt sind und keine Hoffnung mehr haben. Dem wollte ich etwas entgegensetzen und eine Plattform bieten, mittels der sie auftanken können.

Mittlerweile habe ich schon einige Follower, aber es sind leider noch keine Diskussionen entstanden, wie ich gehofft hatte. Im Augenblick betreue ich den Blog aber auch nicht sehr intensiv, da ich in anderen Projekten wie zum Beispiel einem Seminar zum Thema Arbeitssuche involviert bin.

Dein neuestes „Baby“ ist ein Seminar, das du gemeinsam mit Brigitte Wasgott, einer Kinesiologin, konzipiert hast und der demnächst startet. Es heißt „WANTED – der perfekte Job“. Wer ist eure Zielgruppe und was kann man in eurem Seminar lernen?

Ja, Brigitte hat mir auch sehr geholfen, meine Energie und positive Einstellung über die Zeit zu erhalten. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie mir vor einigen Monaten aktiv ihre Hilfe durch die Kinesiologie angeboten hat. Bald darauf häuften sich nämlich die Einladungen zu Bewerbungsgesprächen. Da ist auf jeden Fall ein Knopf aufgegangen.

Wir haben dann gemeinsam dieses Seminar entwickelt, das sich in erster Linie an Arbeitsuchende richtet, aber auch an Personen, die ihre Arbeitsstelle wechseln möchten, sich aber über die nächsten Schritte noch nicht ganz klar sind. Brigitte arbeitet an unbewussten Blockaden, Ängsten und Hemmungen. Ziel ist es, die eigenen Potentiale freizulegen. Die Kinesiologie wird schon sehr erfolgreich auf verschiedenen Gebieten eingesetzt, zum Beispiel in der Jugendarbeit (Lernschwierigkeiten) oder auch bei Burn-out-Patienten.

Den Rahmen des Seminars bilden Fachthemen zum Bewerben im Allgemeinen, die Hauptarbeit findet aber dann mit den kinesiologischen Methoden zur Blockadenlösung statt. Um die Langzeitwirkung zu gewährleisten, findet das Seminar in fünf Blöcken statt: einem ganztägigen Workshop zum Einstieg und dann noch vier Module zu je vier Stunden, um die Methode zu festigen.
Derzeit bieten wir das Seminar noch zum Einführungspreis von € 420,– (für 24 Arbeitsstunden, Unterlagen, Snacks und Getränke) an. Wir sind damit auch beim AMS gelistet. Eventuelle Förderungen müssen beim Betreuer erfragt werden, sind aber nicht garantiert.

Letzte Frage: was sind deine drei wichtigsten Tipps für eine erfolgreiche Jobsuche mit 50+?
  • Positive Ausstrahlung: Bleib selbstbewusst. Glaube an dich und deine Fähigkeiten.
  • Weiterbildung: Dranbleiben! Das ist unser USP: die Kombination aus Erfahrung, neuen Techniken und aktuellen Erkenntnissen.
  • Authentizität: Sich nur des Jobs willens anpassen funktioniert nicht, schon gar nicht langfristig.
Roswitha, vielen Dank das sehr interessante Gespräch. Ich wünsche euch mit eurem Seminar viel Erfolg und dir, dass du bald deinen „perfekten Job“ findest.

 

Hier noch einmal die Links auf den Blog von Roswitha Minardi Jobsuche 50+ und das Seminarangebot WANTED – der perfekte Job.

Das nächste Seminar startet am 21.3.2015. Es sind noch einige wenige Restplätze frei. Anmeldung direkt bei Roswitha Minardi unter roswitha.minardi@aon.at

 Welche Erfahrungen haben Sie bei der Jobsuche gemacht. Ich freue mich über Antworten und Kommentare direkt zu diesem Blogbeitrag!