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IT Profis sind eine gefährdete Spezies – Dies und mehr im Interview mit Alexander Gerner zum Thema Burnout

Autor: Claudia Hümpel, 30.12.2014

Karin Szakal hat kurz vor Weihnachten Herrn Mag Gerner, Geschäftsführer des Instituts für nachhaltiges Wohlbefinden im Beruf, zum Thema Stress und Burnout befragt. 

Herr Gerner, Sie gehen in Ihren Workshops und Trainings gezielt auf Themen wie Stress und Burnout ein.

Ja, aus gutem Grund: Die derzeitigen Umstände in der Arbeitswelt werden mehr und mehr zur Belastung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Um den Themen Stress und Burnout gerecht zu werden, ist es ungeheuer wichtig, in den Trainings individuell auf jeden einzelnen Teilnehmer und jede einzelne Teilnehmerin einzugehen.

Wenn man sich die Wirtschaftsprognosen ansieht (Quelle Wifo): 3. Quartal kein Wirtschaftswachstum in Österreich und derzeit mehr als 310.000 Arbeitslose, sind das keine rosige Aussichten. Merken Sie in Ihren Trainings, dass die Menschen in dieser Zeit Angst haben, ihren Arbeitsplatz zu verlieren?

In meinen Trainings treffe ich auf mehr und mehr Arbeitnehmer, die mit dieser Angst zu kämpfen haben. Sie befürchten, ihren Arbeitsplatz möglicherweise in der nächsten Zeit auf Grund von Rationalisierungen oder Umstrukturierungen zu verlieren. Ich sehe meine Aufgabe vor allem darin, die Teilnehmer dabei zu unterstützen, wie sie mit diesen Gefühlen umgehen können.

Wodurch unterscheidet sich Ihr Ansatz vom dem anderer Trainer?

In meinem Institut kommt vor allem die Grinberg Methode, welche eine sehr körperorientierte Methode ist, zum Einsatz. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen lernen im Rahmen dieses Trainings, was bei Belastungssituationen in ihrem Körper auf mentaler, emotionaler und physischer Ebene passiert. Wenn Stressgeplagte in den Situationen, die bei ihnen Druck erzeugen, wahrnehmen, wie sie in diesen Zustand hineingleiten und die Fähigkeit besitzen, die verschiedensten Vorgänge im Körper wahrzunehmen, dann haben Sie auch die Möglichkeit, diese Vorgänge umzukehren und bewusst beenden zu können.

Haben Sie konkrete Beispiele für uns?

Ein gutes Beispiel hierfür ist, wenn es für jemanden schwer ist „Nein“ zu sagen. Im ersten Moment denkt jeder, das kann mir nicht passieren.
In einem hierarchisch strukturierten Arbeitsumfeld passiert dies aber nur all zu schnell. Die Assistentin, die versucht alles zur Zufriedenheit ihres Chefs oder ihrer Chefin zu erledigen. Je mehr sie leistet, desto mehr Aufgaben werden ihr übertragen. Am Anfang ist dies spannend und aufregend für die Assistentin. Mit der Zeit wird es für sie aber immer schwieriger zu bemerken, wann Sie ihre Leistungsgrenze überschreitet. Ein oder zwei Mal sind kein Problem. Damit kann jeder Organismus sehr gut umgehen. Schwierig wird es, wenn dies zum Dauerzustand wird. In diesem Fall ist es für die Assistentin nicht mehr möglich sich zu regenerieren. Sie nimmt nicht mehr wahr, wann es zu viel für sie ist. Aus diesem Zustand resultieren in erster Linie körperliche Symptome bzw. Zustände, die als Anzeichen gewertet werden können, dass etwas nicht in Ordnung ist.

In den Trainings liegt der Schwerpunkt gerade darauf, im Körper wahrzunehmen, wie die Person in den jeweiligen Situationen selbst diese Zustände kreiert. Im Normalfall ist es ihr nicht mehr möglich die Verhaltensweise des „nicht mehr „Nein“ sagen Könnens“, die sie unbewusst trainiert hat, zu beenden oder loszulassen. Hier setzt die Grinberg Methode ein und trainiert die Wahrnehmung, diese Verhaltensweisen und Zustände im Körper zu spüren. Der nächste Schritt ist es zu lernen, die Spannungszustände durch verschiedene Arten der Körperarbeit auf mentaler, emotionaler und physischer Ebene beenden zu können.

Wir leben in einer sehr schnelllebigen Zeit – Wie rasch können Kursteilnehmer das Erlernte nachhaltig umsetzen und in ihr Leben integrieren?

Die Konzeption der Trainings ist so aufgebaut, dass Teilnehmer und Teilnehmerinnen das Erlernte  unmittelbar in ihrem Arbeitsalltag umsetzen können. Da das Arbeiten mit realen Situationen im Vordergrund steht, können die Teilnehmer schon nach einem Workshop Tag das Konzept anwenden.

Burnout ist ja ein sehr strapazierter Begriff. Woran erkenne ich, ob ich tatsächlich kurz vor einem Burnout stehe oder einfach nur urlaubsreif bin?

Wenn die Work-Life-Balance – sprich die Balance zwischen Arbeit und Freizeit – nicht mehr stimmt, kann dies ein Anzeichen für Burnout sein. Wenn sich ein Erschöpfungszustand über einen langen Zeitraum erstreckt und es für die Person nicht mehr möglich ist sich zu regenerieren. Wenn die betroffene Person auf Grund von Lustlosigkeit oder permanenter Müdigkeit beginnt sich von sozialen Kontakten und Aktivitäten zurückzuziehen, die ihr in früherer Zeit Kraft gegeben haben.
Dies sind nur einige Merkmale. Da die Übergänge zwischen einzelnen Burnout Stufen, wie sie auch bezeichnet werden, fließend sind, ist es für die Person, die es betrifft, oft sehr schwer dies zu erkennen.

Gibt es Berufsgruppen, die besonders gefährdet für Burnout sind?

IT-Beschäftigte sind häufiger von Burnout betroffen als die allgemeine Zielgruppe: 22% der Befragten in der IT-Branche sind Burnout-gefährdet, bei den Männern sogar 25% (13% bei den Frauen).
[Quelle: http://www.gesundearbeit.at/cms/V02/V02_2.2.a/1342538794755/psychische-belastungen/burn-out/burn-out-umfrage-branchenspezifische-ergebnisse?d=Touch]

Lohnt sich Burnout Prävention für Unternehmen?

Die Unternehmen profitieren enorm, da ihre Mitarbeiter gesund und motiviert bleiben. Jeder Unternehmer weiß, dass gesunde, motivierte Mitarbeiter den größten Wert darstellen.
Insgesamt deuten auch die Zahlen darauf hin, dass sich betriebliche Gesundheitsförderung bezahlt macht. Vor allem durch geringere Fehlzeiten und niedrigere Krankheitskosten. Die berichteten Werte für den „Return of Investment“ liegen zwischen 1:2,3 für die Einsparung bzgl. der Krankheitskosten und 1:10,1 in Hinsicht auf Kostenersparnis durch verringerte Fehlzeiten.

[Quelle: Boedeker , Kreis (2003), S. 34]

Mag. Alexander Gerner, Geschäftsführer Institut für nachhaltiges Lernen, 4020 Linz. Kontakt bei Fragen zum Inhalt und die nächsten Termine für die Veranstaltungen: alexander.gerner@web.de